TOP Ö 348: Bericht über das Ergebnis des Forstwirtschaftsjahres 2015 durch Herrn Forsttechniker Oswin Loster

Sachverhalt:

(zuletzt Sitzung am 27.02.2015, lfd.Nr. 0160)

1. Bgm. Kuhn begrüßt Forstdirektor Walter Adamek und Forsttechniker Oswin Loster. Die Mitglieder des Gemeinderates erhalten eine Übersicht über den Holzeinschlag nach Nutzungsart und Baumart, Kulturen/Pflanzung, Waldwege/Rückewege und über das Ergebnis des Forsthaushaltes 2015 sowie eine Übersicht über die Einnahmen, Ausgaben und Gewinne von 2003 bis 2015.

 

Forsttechniker Oswin Loster berichtet über das Ergebnis des Forstwirtschaftsjahres 2015:

„Holzeinschlag

Für das Forstwirtschaftsjahr 2015 war ein Einschlag von 5.500 fm geplant. Tatsächlich wurden 3.525 fm eingeschlagen, also ca. 65% der geplanten Menge.

Die nasse Witterung im Winter und Frühjahr sorgten immer wieder für Verzögerungen und Unterbrechungen der für diesen Zeitraum vorgesehenen Hiebsmaßnahmen. Einige Arbeiten wurden dann in den Herbst verschoben. Da aber auch die meisten anderen Forstbetriebe diese Verschiebungen vornahmen waren die Einschlags- und Rückefirmen im Herbst komplett ausgelastet, so dass nicht alles aufgeholt werden konnte.

Während der Hitzewelle im Sommer war der Forstbetrieb quasi geschlossen, da in dieser Zeit bis zu 3 Rohrbrüche in der Woche gesucht, gefunden und geflickt werden mussten. Insgesamt hatten wir in diesem Zeitraum von 8 Wochen 18 Rohrbrüche.

Es war dann von mir angedacht im Januar 2016 noch schnell zwei Hiebe durchzuführen, und die anfallende Masse auf 2015 zu buchen, aber die dauerhaft extrem nasse Witterung der letzten Wochen lies dies scheitern. Das Rücken von Holz war nicht möglich, da wir mehr Schäden an den Waldwegen und Rückegassen angerichtet hätten als das ganze wert gewesen wäre.

Es wird immer deutlicher, das die unkalkulierbare Witterung immer mehr Einfluss auf den Forst nimmt und man immer flexibler reagieren muss und Planungen und Kalkulationen zunehmend schwer werden.

Der Einschlag 2015 erfolgte auf rund 50 ha und verteilt sich folgendermaßen auf die einzelnen

Nutzungsarten:

Verjüngungsnutzung:     771 fm

Altdurchforstung:        1.899 fm

Jungdurchforstung:        540 fm

Jugendpflege:                315 fm

Bei der Unterscheidung des Einschlages nach Baumarten zeigt sich folgendes:

Der größte Teil mit ca. 53% entfällt dabei auf die Kiefer, gefolgt von der Fichte mit ca. 34%. Die Buche ist mit 5%, die Lärche mit 1% am Einschlag beteiligt.

Der Anteil des NH-Holzes (nicht verwertbares Holz) liegt bei ca. 7%. Ca. 260 fm Polterholz wurden an Schneeberger Bürger vergeben.

Anfang März tobte Sturm Niklas in Bayern. Unterfranken kam dabei recht glimpflich davon. Bei uns im Schneeberger Gemeindewald war ein Anfall von 72 fm Sturmholz zu verzeichnen. Große Windwurfschäden richtete Niklas in Süddeutschland an. Dort wurde sogar in einigen Regionen ein Einschlagstop verfügt. Die Holzpreise fielen seit dem um ca. 20%, was sich auch im Schneeberger Forsthaushalt bemerkbar machen wird.

Forstkulturen

2015 wurden im Gemeindewald Schneeberg 4.500 Stück Forstpflanzen gesetzt. Der extrem heiße und trockene Sommer lies viele unserer, im Vorjahr gepflanzten Bäumchen vertrocknen und wir mussten viele der im Herbst/Winter 2014 gesetzten Pflanzen ersetzten. Jetzt im Frühjahr 2016 werden wir dann sehen, wie viele Ausfälle tatsächlich zu verzeichnen sind. Wir haben erst mal nur die offensichtlichsten Totalausfälle ersetzt.

Letztes Jahr wurde auch wieder turnusgemäß von der ALF ein Verbissgutachten erstellt. Leider zeigt sich, dass im Hegering Miltenberg der Wildverbiss an unseren Forstpflanzen mittlerweile enorme Ausmaße angenommen hat.

Die Verbiss Situation hat sich im Vergleich zu 2012 sowohl beim Nadelholz als auch vor allem beim Laubholz gravierend verschlechtert. Die Beeinträchtigungen der Waldverjüngung durch das Rehwild haben nun eine Grenze überschritten, was dazu führt, das Entmischungen befürchtet und Pflanzenausfälle sowie Qualitätseinbußen deutlich werden. Die waldbaulichen Zielsetzungen können vielerorts nur noch unter Zaunschutz erreicht werden. Die aktuelle Verbiss Belastung wird von der ALF als zu hoch und nicht mehr tragbar erachtet.

Im Gemeindewald Schneeberg sind wir inzwischen dazu übergegangen, alle gepflanzten Bäumchen jährlich mit Verbiss Schutzmittel zu streichen, um wenigstens den Haupttrieb einigermaßen zu schützen.

Wegeunterhaltung

Rund 10,1 km der Waldwege wurden für 14.250 € geschottert, Teilstrecken wurden gegrädert. In der Waldabteilung Bubenhecke wurde ein neuer Verbindungsweg vom Heckenweg auf die "Alte Straße" aufgeschüttet, gegrädert und geschottert. Dieser Weg verkürzt Rückearbeiten und spart dadurch künftig Kosten.

Viele unserer Waldwege sind "durchgefahren" und benötigen dringend eine Aufschotterung der Fahrspuren, um einer aufwendigen und teureren Instandsetzung in den nächsten Jahren vorzu-beugen. So mancher Weg hat außerdem durch die Holzabfuhr in den letzten nassen Monaten zusätzlich gelitten und muss im Sommer gegrädert und geschottert werden.

In der Abteilung Heideberg wurden Rückewege mit einer Gesamtlänge von 400 Meter verbreitert. Der Großteil der Rückewege im Schneeberger Forst wurde vor 25 Jahren angelegt. Diese sind mittlerweile zu schmal für die heutigen, immer breiter und größer werdenden Rückemaschinen. Auch in den nächsten Jahren werden wir vor Hiebsmaßnahmen hier immer wieder nachbessern müssen, um das anfallende Holz an die Waldwege rücken zu können.

Ca. 18 km der Waldwege wurden für 5.200 € freigeschnitten oder gemulcht.

Forsthaushalt

Der Forstbetrieb kann für das Jahr 2015 einen Gewinn von ca.115.000 € vorweisen. Damit liegen wir über 5.000 € über dem geplanten Gewinn, obwohl nur 65% der geplanten Holzmenge eingeschlagen wurde. Dieses Ergebnis wurde durch einen Überhang aus dem letzten Jahr, Einsparungen bei der Wegeunterhaltung und anderer Kostenstellen erreicht.

Auch tragen die vielen Wasserrohrbrüche des vergangenen Jahres dazu bei, die Ausgaben im Forstbetrieb zu senken. 58% meiner Arbeitsstunden müssen auf die Wasserversorgung gebucht werden und entlasten dadurch den Forsthaushalt.

Besonders bedanken möchte ich mich auch bei Herrn Adamek für die vorbildliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Er ist jederzeit für uns da, wenn es gilt Probleme zu lösen, Fragen zu klären, Informationen zu geben oder wenn es sonst irgendwo "beißt oder zwickt". Es bleibt zu hoffen, dass wir noch möglichst lange von größeren Stürmen, Borkenkäfer-Jahren, Schneebrüchen oder sonstigen Dingen verschont bleiben, damit eine planmäßige Bewirtschaftung möglich ist und die Holzpreise weiterhin stabil bleiben.“

 

1. Bgm. Kuhn bedankt sich bei Forsttechniker Oswin Loster für seine Arbeit und zeigt sich erfreut, dass trotz aller Widrigkeiten der Gewinn um 5.000 Euro höher liegt als geplant.

Er gibt eine Übersicht über den geplanten und tatsächlichen Gewinn der letzten drei Jahre.

Jahr 2013        geplanter Gewinn   70.500 €   tatsächlicher Gewinn  124.500 €

Jahr 2014        geplanter Gewinn   91.000 €   tatsächlicher Gewinn  148.500 €

Jahr 2015        geplanter Gewinn 109.500 €   tatsächlicher Gewinn  114.800 €


Diskussionsverlauf:

1. Bgm. Kuhn erkundigt sich nach dem Anteil der Harvester-Einsätze im Schneeberger Gemeindewald.

FT Loster berichtet von einem Harvester-Anteil am Einschlag in Höhe von 40 bis 50 Prozent.

3. Bgm. Pfeiffer erkundigt sich, ob sich der geringere Einschlag für Schneeberg negativ auswirkt, da die Erlöse für die Holzpreise gesunken sind.

FT Loster bestätigt, dass der Preisverfall von 20 Prozent nach Sturm Niklas für die Gemeinde spürbar ist.

GR Speth möchte Auskunft über die Borkenkäfer-Situation im Privatwald.

FT Loster erklärt, dass für die Privatwaldbesitzer die Zuständigkeit beim Staatlichen Forstamt, Ferdinand Hovens, liegt. Er teilt mit, dass 2016 auch im Gemeindewald Schneeberg einiges an Käferholz anfallen wird.

FD Adamek teilt mit, dass die Betreuung der Privatwaldbesitzer eine hoheitliche Aufgabe der ALF ist. Zuerst werden die von Käferholz betroffenen Waldbesitzer telefonisch benachrichtigt und bieten Beratung an. Alle, die bisher nicht tätig wurden, bekommen jetzt ein Schreiben mit der Aufforderung, die befallenen Bäume bis Ende März zu beseitigen. Wird der Privatwaldbesitzer nun immer noch nicht tätig, erfolgt als letzter Schritt ein Bescheid vom Landratsamt Miltenberg mit der Androhung einer Ersatzvornahme. Es besteht die Gefahr, dass sich von diesen Beständen die Borkenkäfer auf die ganzen Hänge ausbreiten.

GR Wöber sieht das Hauptproblem in der Fichten-Aufforstung der 70er Jahre. Damals wurde nicht an eine spätere Holzabfuhr gedacht. Bei der Verbrennung von Käferholz musste er feststellen, dass eine Feuermeldung weder die Polizei noch die ILS interessierte. Er bittet hier um Lösungsvorschläge.

FD Adamek gibt bekannt, dass früher die Polizei verständigt wurde, jetzt muss dies der örtlichen Feuerwehr gemeldet werden. Die Flugzeugführer, die über unsere Region fliegen, melden immer wieder Brände. Die ILS informiert daraufhin das ALF.

GR Wöber sagt, das eine richtige Aufforstung oftmals nicht mehr stattfindet.

FD Adamek teilt mit, dass das ALF Beratung anbietet und Gemeinschaftsaktionen zum Einsatz eines Hackers organisieren kann. Am Hessenmuddig wurden ein Weg und eine Wendeplatte geschaffen. Auch die Waldbesitzer, die jetzt noch keinen Schaden haben, werden irgendwann betroffen sein. Nach dem Waldgesetz muss innerhalb von 3 Jahren wiederaufgeforstet oder innerhalb von 5 Jahren die Fläche mit Naturverjüngung bestockt sein. Es bleibt Wald im Sinne des Gesetzes, auch wenn es eine längere Zeit dauert.

GR Speth erkundigt sich, ob es verlässliche Zahlen für den Nachwuchs an Holz gibt.

FT Loster erklärt, dass alle 20 Jahre eine Forsteinrichtung stattfindet, bei der genau ermittelt wird, wieviel Festmeter Zuwachs in den einzelnen Beständen zu verzeichnen sind. Hieraus ergibt sich dann der Hiebsatz, der vorgibt, wieviel Holz pro Jahr eingeschlagen werden darf.